Glücksspiel im deutschen Fußball: Ist das neue Glücksspielgesetz störend?

Bratwurst, Bier und Ambiente: Der deutsche Spitzenfußball ist seit langem ein Synonym für eine besondere Erfahrung. Doch in jüngster Zeit ist das Wetten unausweichlich dazugekommen und die Werbung ist im Fernsehen, in den Stadien und auf den Vereinslogos allgegenwärtig. Für viele ist das nur ein Teil des Geschehens. Fußball auf höchstem Niveau in Deutschland zu sehen, ohne mit der Glücksspielindustrie in Berührung zu kommen, ist unmöglich.

Glücksspiel im deutschen Fußball: Ist das neue Glücksspielgesetz störend?

Wettfirmen, Dachverbände und Vereine haben Sportwetten und Glücksspiele zu einer Selbstverständlichkeit gemacht, wie im Casino ohne deutsche Lizenz. Die enorme Medienpräsenz macht es heute unmöglich, Fußball Spiele zu verfolgen, ohne von Sportwetten-Werbung belästigt zu werden. Sie verändert die Wahrnehmung des Fußballs und damit seine Kultur, denn es geht nicht mehr nur um das Spiel auf dem Platz, sondern darum, ob der Wettschein stimmt.

Eingeschränkte Werbung

Gegenwärtig ist die Werbung für Glücksspiele nicht illegal, wie es beispielsweise bei Tabak der Fall ist. Angesichts der verheerenden Abhängigkeiten, die einen beträchtlichen Teil der Gewinne dieser Unternehmen ausmachen, wird jedoch eine Verschärfung der Rechtsvorschriften gefordert. Solche Schritte wurden bereits in Spanien unternommen, wo Glücksspielunternehmen nicht mehr auf der Vorderseite der spanischen Fußballtrikots oder in den Stadien werben dürfen. Außerdem dürfen Glücksspielunternehmen generell nur in einem Vier-Stunden-Fenster zwischen 1 und 5 Uhr nachts werben. In Italien gilt ein ähnliches Verbot, aber die finanziellen Auswirkungen kürzlicher Ereignisse haben zu Forderungen nach seiner Aufhebung geführt. In England wird unterdessen ein Verbot der Trikotwerbung erwogen, das fast die Hälfte der Premier-League-Vereine betreffen würde. Solche Gesetze stoßen bei den Vereinen in der Regel auf Frustration, da sie die Glücksspieleinnahmen zum Überleben benötigen.

Was ist der Unterschied zwischen Wetten und Glücksspiel?

Im Gegensatz zu anderen Rechtsordnungen, in denen die Begriffe „Spiel“ oder „Glücksspiel“ als nützliche Unterscheidung zwischen Produkten dienen können, die einer spezifischen Glücksspielregulierung unterliegen, muss ein Produkt in Deutschland als „Glücksspiel“ qualifiziert werden, um in den Anwendungsbereich des Glücksspielstaatsvertrags (StV) zu fallen, der in diesem Zusammenhang der wichtigste Rechtsrahmen ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn als Gegenleistung für eine Gewinnchance eine entgeltliche Gegenleistung erbracht wird und die Ermittlung des Gewinns im Rahmen eines Spiels ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. In diesem Kapitel werden solche Spiele auch als „Glücksspiele“ bezeichnet. Auch Wetten gelten laut Staatsvertrag als Glücksspiel, doch wurde nur für Sportwetten mit festen Quoten ein Lizenzsystem geschaffen, das auch privaten Anbietern offen steht. Angebote für Pferdewetten sind ebenfalls genehmigungspflichtig.

Was ist der Unterschied zwischen Wetten und Glücksspiel?

Wetten auf andere Ereignisse als Sport (und Pferderennen) – wie z.B. politische Ereignisse oder Finanzprodukte und -geschäfte (einschließlich Devisenhandel, Binärwetten, Differenzkontrakte usw.), die manchmal auch als „Sozialwetten“ bezeichnet werden – sind nach deutschem Glücksspielrecht unzulässig und können einer anderen Regulierung unterliegen, nämlich der Finanzdienstleistungs- und Bankenregulierung und nicht der Glücksspielregulierung. Poolwettangebote sind dem staatlichen Monopol vorbehalten, da solche Angebote gemeinhin als eine Art Lotterie eingestuft werden. Lotterien werden im Allgemeinen als Glücksspiele definiert, die sich an eine Mehrheit von Personen richten, ein bestimmtes Entgelt, einen bestimmten Spielplan und die Chance auf einen Geldgewinn oder andere geldwerte Preise beinhalten (letzteres würde in Deutschland als Ziehung bezeichnet).

Welche Beschränkungen gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es seit dem neuen Glücksspielgesetz auch strenge Beschränkungen. Gemäß § 5 Abs. 3 Glücksspielstaatsvertrag 2021 darf für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele täglich zwischen 6 und 21 Uhr keine Werbung im Rundfunk oder Internet gemacht werden. Ebenso ist die Werbung ausschließlich für eine Dachmarke, unter der virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele – neben anderen konzessionierten Glücksspielformen – angeboten werden, zwischen 6 und 21 Uhr verboten, mit Ausnahme der Dachmarkenwerbung in Sportstätten. Bereits aus § 5 Abs. 3 Satz 3 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 folgt, dass auch die Werbung für Sportwetten mit aktiven Sportlern und Funktionären verboten ist. Die Markenbotschafter können also nicht mehr aus dem aktiven Sportumfeld rekrutiert werden.

Auch der Einsatz von Influencern im Rahmen von Sponsoring oder Werbung soll in Zukunft verboten sein. Dies dürfte weitreichende Folgen für Streaming und andere Social-Media-Aktivitäten haben. Die Betreiber müssen kontinuierlich eine elektronische Dokumentation der Zeit und des Ortes ihrer Rundfunkwerbung für die letzten drei Monate erstellen und diese Dokumentation der zuständigen Behörde auf Anfrage übermitteln. Darüber hinaus ist eine fortlaufende elektronische Dokumentation der gesamten Werbung im Internet, einschließlich der Angaben zu Drittseiten, Affiliates, Social-Media-Kanälen und der Identität der Werbepartner in den letzten drei Monaten erforderlich, die der zuständigen Behörde auf Anfrage zu übermitteln ist.

Werden wir durch das neue Gesetz bevormundet?

Seit Beginn des Sportwetten-Konzessionsverfahrens im Januar 2020 war das Thema „Werbung“ in aller Munde. Das lag vor allem daran, dass der am 1. Januar 2020 in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag die Glücksspielwerbung massiv einschränkt und gleichzeitig zahlreiche Fragen zu deren Umfang und Reichweite offen lässt. Zwischenzeitlich war auf Ebene der Glücksspielaufsichtsbehörden beschlossen worden, eine interne Arbeitsgruppe zu beauftragen, die ein Dokument für die Beurteilungskriterien erarbeiten sollte, die als Grundlage für die Bewertung der Marketingkonzepte dienen sollten. Vor diesem Hintergrund hat das Regierungspräsidium die Prüfung der eingereichten Konzepte zurückgestellt – was sinnvoll ist, da es ohne definierte Kriterien keine verbindliche Prüfung geben kann.

Werden wir durch das neue Gesetz bevormundet?

Ab dem 1. Januar 2023 gehen alle Zuständigkeiten auf die neue gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde der Länder in Halle (Sachsen-Anhalt) über. Die Betreiber sind derzeit gehalten, die sich aus dem Staatsvertrag selbst ergebenden Grundsätze bestmöglich einzuhalten. Außer Einschränkungungen gibt es nicht viel positives. Man könnte meinen, dass das neue Glücksspielgesetz einer Volksbevormundung gleich kommt.

Schlussfolgerung zum Glücksspiel im deutschen Fußball

Der Generalsekretär der Europäischen Vereinigung für Glücksspiel und Wetten, Maarten Haijer, hat die bevorstehenden regulatorischen Änderungen scharf kritisiert. Seiner Meinung nach werden die Einsatz- und Zeitbeschränkungen sowie die fortgesetzte Beschränkung der Produkte die Fähigkeit der lizenzierten Betreiber, den Bedürfnissen des Marktes gerecht zu werden, stark einschränken und den Schwarzmarktbetreibern, die nicht denselben Beschränkungen unterliegen, einen Vorteil verschaffen. Zusätzlich zu den Einschränkungen, die es geben wird, wurden auch Einwände gegen das Lizenzierungsverfahren selbst erhoben. Trotz der Kritik und der kurzen Vorbereitungszeit für die Übergangszeit, ist Deutschland jedoch nach wie vor ein sehr begehrter Markt. Der deutsche Glücksspielmarkt könnte bis 2024 einen Wert von bis zu 3,3 Milliarden Euro haben, was Europas größte Volkswirtschaft trotz der Einzahlungslimits und anderer Einschränkungen zu einer lohnenden Gelegenheit macht. Dennoch weichen viele Spieler zu ausländischen Seiten aus, wo sie uneingeschränkt wetten und spielen können. Deutschland ist nun mal eine wettende Bratwurstnation. Glücksspiele und der deutsche Spitzenfußball gehören nun mal dazu!

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Autor:
Fussball-Meister
Erstellt:
17. Mai 2022

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