Wettskandale

Robert Hoyzer – Die Chronik eines Wettskandals

Der wohl bekannteste Skandal in Sachen Sportwetten der jüngsten deutschen Geschichte ist der Schiedsrichterskandal bei dem Robert Hoyzer im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand. Nach all dem hin und her in diesem Fall möchte ich mit meinem Beitrag nochmals einen kurzen Blick auf diesen Wettskandal werfen und gleichzeitig eine kleine Chronologie dazu schaffen.

Zu Person von Robert Hoyzer ist bekannt, dass er am 28. August 1979 in Berlin geboren wurde. Sein Vater war ebenfalls Schiedsrichter und seit der Saison 2002/ 2003 stand Hoyzer auf der offiziellen DFB-Schiedsrichter Liste. Bis zu seiner Suspendierung durch den DFB, nach bekannt werden erster Vorwürfe und erster Verdachtsmomente im Bezug auf Spielmanipulationen im Januar 2005, leitete er insgesamt 11 Spiele in der zweiten Fußballbundesliga, 11 Begegnungen der Regionalliga Nord und vier Partien im DFB-Pokal

In einem der größten Skandale des Deutschen Fußballbundes in seiner 100-jährigen Geschichte, begannen die Ermittlungen gegen Robert Hoyzer nachdem am 19. Januar 2005 erste Hinweise auf Spielmanipulationen in der Zentrale des DFB`s eingegangen waren. Hoyzer soll gegen Sach- und Geldzuwendungen Spiele mit seinen Entscheidungen auf dem Platz so beeinflusst haben, dass seine Partner bei Sportwetten einen Vorteil daraus ziehen konnten und hohe Geldbeträge bei Wettanbietern kassieren konnten.

Anfangs schwieg Hoyzer zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Nachdem der DFB jedoch einen Kontrollausschuss zu diesem Vorfall einsetzte und vor allem die Pokalpartie zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV untersuchte, die zu aller Überraschung mit einem Sieg für den jetzigen Zweitligisten endete, wurden Stimmen laut, die die Untersuchung weiterer von Hoyzer geleiteter Spiele forderten. Infolge dessen meldete sich Hoyzer am 24. Januar 2005 erstmals zu Wort und bestritt, dass er jemals auf von ihm geleitete Spiele gewettet hat.

Die Hinweise auf die manipulierten Partien kamen von den Schiedsrichtern Lutz-Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer. Der DFB erstattete daraufhin Anzeige gegen Hoyzer und sperrte ihn mit sofortiger Wirkung für sämtliche Einsätze als Schiedsrichter. Überraschender Weise ändert Hoyzer am 27. Januar seine Haltung und gesteht in der Hoffnung auf eine milde Beurteilung seines Falles die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Hoyzer wird von der Staatsanwaltschaft Berlin vernommen und belastet dabei weitere Schiedsrichter, die ebenfalls Spiele manipuliert haben sollen. Er gesteht 50.000 Euro für die Manipulationen erhalten zu haben. Außerdem kristallisiert sich das Berliner Cafe „King“ als zentraler Ort der Manipulationen heraus. Es kommt zu Durchsuchungen des Cafes und der Wohnung von Robert Hoyzer.

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen im Wettskandal geraten auch immer mehr Spieler von Vereinen der ersten Bundesliga, der zweiten Bundesliga und der Regionalliga unter Verdacht an den Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. Der Skandal weitet sich aus und schlussendlich stehen sechs Vereine (SC Paderborn, Dynamo Dresden, Chemnitzer FC Energie Cottbus, Alemannia Aachen und Hertha BSC Berlin), 25 Personen und zehn Spiele im Visier der Fahnder. Weiterhin sind die Schiedsrichter Jürgen Jansen, Dominik Marks, Felix Zwayer und der Schiedsrichterbetreuer Wieland Ziller von Hoyzer während seiner Aussage belastet worden. Zu diesem Zeitpunkt steht bereits fest, dass Hoyzer selbst vier Spiele manipuliert hat.

Im gleichen Atemzug werden auch Vorwürfe gegen den Deutschen Fußballbund laut, die eine zügigere Aufklärung des Falles fordern. Der DFB wehrt sich und schiebt die Schuld für die Verzögerungen auf den Wettanbieter Oddset.

Am 10. Februar 2005 wird Hoyzer vom DFB wegen grob unsportlichen Verhaltens lebenslang gesperrt. Gleichzeitig wird der Hamburger Sportverein für die Niederlage in Paderborn und dem folgendem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal mit 500.00 Euro entschädigt. Außerdem wird der HSV mit 1,5 Millionen Euro an den Einnahmen eines in Hamburg ausgetragenen Länderspiels beteiligt.

Robert Hoyzer wird am 12. Februar 2005 in Berlin verhaftet. Kollege Dominik Marks, der von Hoyzer weiterhin belastet wird, wird vom DFB vorsorglich ebenfalls gesperrt. Einen Monat später wird mit Steffen Karl (Chemnitzer FC) dann der erste Spieler wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und der versuchten Verbrechensabrede und Nötigung“ verhaftet. Drei Tage später kommt er jedoch wieder frei, darf sich jedoch nicht mit den in den Fall verwickelten Personen in Verbindung setzen. Wenige Zeit später gesteht Karl seine Beteiligung an den Manipulationen.

Ende März 2005 tritt Hoyzer dann aus seinem Verein Hertha BSC Berlin aus, um sich der Gerichtsbarkeit des DFB-Sportgerichtes zu entziehen. Kurze Zeit später tritt er aber dem Essener Verein Sportfreunde Steele 09 bei, um sich dem Urteil des DFB`s zu stellen. Er wird lebenslang als Schiedsrichter, Trainer und Spieler gesperrt.

Die zivilen Gerichte, besser das Landgericht Berlin, verurteilt Hoyzer am 17. November 2005 zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Seine Anwälte legen Revision beim Bundesgerichtshof in Leipzig ein und eine erste Verhandlung am 28. November 2006 lässt eine Aufhebung des Berliner Urteils erwarten. Denn sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung fordern nun einen Freispruch für Hoyzer, da die Berliner Urteile im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland überhöht und vorschnell gefällt worden seien. Außerdem wiesen die Berliner Untersuchungen einige Fehler in der Bearbeitung des Falls auf.

Im Bundesgerichtshof Leipzig wurde am 15. Dezember 2006 das endgültige Urteil festgelegt und schlossen sich der zweieinhalbjährigen Haftstrafe für Hoyzer wegen Beihilfe zum Betrug an. Hoyzer muss nun den Weg ins Gefängnis antreten und es bleibt ihm keine Möglichkeit mehr, gegen das heutige Urteil gerichtlich vorzugehen. Ich persönlich finde die Entscheidung des Leipziger Gerichts richtig, denn entweder er hat geholfen zu betrügen, so wie er es ja bereits zugegeben hat, oder nicht. Da er es gemacht hat, muss er nun auch mit der Strafe leben.